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Samstag, 23. Juli 2016

Bilanz der abgelaufenen Saison und Vorschau auf die kommende

Bereits vor einigen Wochen habe ich mich an dieser Stelle etwas eingehender mit dem Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Stärke und dem sportlichen Erfolg von Fußballklubs im Allgemeinen und im Speziellen bei einer genaueren Untersuchung der Verhältnisse im österreichischen Spitzenfußball. Wir konnten dabei sehen, dass im Falle der österreichischen Budnesliga der Durchschnittsmarktwert eines Teams als Indikator für seine wirtschaftliche Stärke mehr als die Hälfte der Varianz der erreichten Punkte erklärt; sportlicher Erfolg ist also in großem Maße von den dahinterstehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten abhängig, wird aber nicht komplett von diesen determiniert. 

Modelle, die derartige Zusammenhänge untersuchen, eignen sich auch, um Prognosen über zukünftige Leistungen herzustellen. Die Idee dahinter ist, dass ein Faktor (wie beispielsweise die wirtschaftlichen Möglichkeiten eines Klubs) hoch mit einem anderen korrelierte, wird das auch in Zukunft der Fall sein. Aufgrund der Ausprägung des ersten Faktors können wir daher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diejenige des anderen (zum Beispiel Punkte am Saisonende) vorhersagen. 

Da die genaue Anzahl der Punkte sicher schwer vorherzusagen ist, ist es sinnvoll, nicht nur den prognostizierten Wert anzugeben, sondern auch Konfidenzintervalle. Diese geben den Bereich an, in dem der prognostizierte Wert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (in diesem Fall 95%) liegt. Werte darunter oder darüber deuten dementsprechend eine außergewöhnlich gute oder schwache Saison an.

Graphik 1 zeigt diese Prognose für die Teams der österreichischen Bundesliga für die Saison 2015/16 (inklusive Konfidenzintervallen in Schwarz gehalten) und vergleicht diese Prognose mit den tatsächlich erreichten Punkten (die in Rot in die Graphik eingefügt sind). Geordnet sind die Teams nach ihrem tatsächlichen Abschneiden.

Graphik 1
Zu Beginn sehen wir, dass Meister Salzburg trotz gewisser sportlicher Probleme und des Verschleißes gleich dreier Cheftrainer in der ersten Saisonhälfte eine Punktlandung gelang. Man holte genau so viele Punkte wie das Modell prognostizierte. Dahinter folgen drei Teams aus Wien und Umgebung, die weit besser abschnitten als man vor der Saison annehmen konnte; alle drei liegen sogar über dem Ende ihrer Konfidenzintervalls, allen voran das Sensationsteam aus der Südstadt. Aber auch Rapid und die Austria können mit dem sportlichen Abschneiden in der Vorsaison zufrieden sein und werden Schwierigkeiten haben, in der folgenden Saison diese Punkteausbeute zu bestätigen.

Dahinter folgt mit Sturm eine der gemessen an den Erwartungen schwächsten Mannschaften der abgelaufenen Saison. Das unterdurchschnittliche Abschneiden kostete die Grazer letztlich einen Europacupplatz, damit dringend benötigte Einnahmen und kann dafür sorgen, dass man in eine Abwärtsspirale gerät (je weniger Einnahmen, desto weniger sportlicher Erfolg, desto weniger Einnahmen aus Sponsorverträgen und Europacup, etc). Die Mittelständer Wolfsberg, Ried und Altach, die während der Saison zum Teil auch erhebliche Probleme hatten, konnten sich letztlich relativ ungefährdet in der Liga halten. 

Mattersburg ist wiederum ein interessanter Fall. In meinem Modell ist es der am schwächsten abschneidende Klub, was daran liegt, dass das Modell Aufsteiger anders beurteilt als andere Teams, da diese in der Vergangenheit besser als erwartet abschnitten und deshalb das Modell durch diese Ungleichbehandlung verbessert werden konnte, was letztlich immer das Ziel ist. Es wird deshalb interessant sein, zu sehen, ob Mattersburg ein Ausreißer in der Reihe der positiven Aufsteiger der vergangenen Jahre ist oder ob diese Serie nicht doch eher dem Zufall entsprang. Allein von seinem Durchschnittsmarktwert her hat Mattersburg nämlich im Grunde die Punkteanzahl erreicht, die man vermuten könnte.

Am Tabellenende steht Grödig, das nur wenig unter der Punkteprognose landete, was letztlich aufgrund eines mangelnden anderen Underperformers aus der Gruppe der Nachzügler der Plätze 6-9 nicht zum Klassenerhalt reichte.

Den Vergleich zwischen erwartbaren und tatsächlich erreichten Punkten kann man auch  für die verantwortlichen Trainer anstellen. Unterschiede zwishen Graphik 1 und Graphik 2 ergeben sich also bei den Vereinen, die im Laufe der abgelaufenen Saison mehr als einen Trainer in Amt und Würden hatten, bei allen anderen ist das Ergebnis für den Trainer logischerweise gleich wie für den Klub insgesamt. Um die Werte vergleichbar zu machen, sind nicht mehr absolute, sondern Durchschnittswerte angegeben.

Graphik 2
Die Trainer in Graphik 2 sind nach der Anzahl an durchschnittlich geholten Punkten geordnet und nicht nach prognostizierten. Dennoch sind die drei in Salzburg tätig gewesenen Cheftrainer im Ranking ganz vorne, holten im Schnitt also am meisten Punkte. Dennoch zeigt sich, dass die Mannschaft unter Zeidler leicht unterdurchschnittlich abschnitt, weshalb seine Freistellung zumindest aufgrund der Resultate gerechtfertigt erscheint.

Danach folgen die Coaches der beiden Wiener Klubs, die wie bereits erwähnt besser als erwartet abschnitten (was die Trennung Rapids von Barisic zweifelhaft erscheinen lässt, zumindest aus sportlicher Sicht), und die Trainer der beiden positiven Überraschungen der abgelaufenen Saison, dem WAC nach dem Trainerwechsel (ein klassisches Beispiel der Regression zum Mittelwert) und der Admira.

Insgesamt zeigt sich, dass die meisten Trainer in etwa im erwartbaren Bereich abschneiden, was sich mit bisherigen Unterscuhungen deckt: Die meisten Chefcoaches haben weder einen besonders positiven noch einen besonders negativen Einfluss auf die Ergebnisse ihrer Mannschaften. Diejenigen Coaches, die jedoch die Erwartungen deutlich untererfüllen, werden meist schnell freigesetzt. Von den vier Trainern, die in der abgelaufenen Saison deutlich unter dem Konfidenzintervall liegen, überlebt nur einer (der Sonderfall Vastic) die Saison. Die anderen drei wurden bereits während der Herbstsaison entlassen.

Graphik 3
Zuletzt kann man das Modell auch heranziehen, um die Punkte für die kommende Saison zu prognostizieren (siehe Graphik 3). Allen voran ist auch diesmal wieder Meister Salzburg zu erwarten, deren unteres Ende des Konfidenzintervalls noch weit vor der Konkurrenz liegt. Das Modell sagt also mit einer 95%igen Wahrscheinlichkeit eine Titelverteidigung voraus. Dahinter folgen wie in der vergangenen Saison die beiden Wiener Vereine in der gleichen Reihenfolge wie sie auch 2015/16 abschlossen.

Dahinter folgt bereits Aufsteiger St. Pölten. Wie bereits die vergangenen Jahre bewertet das Modell den Aufsteiger besser als andere Klubs mit vergleichbarem Marktwert, da diese in den vergangenen Jahren vor Mattersburg weit besser als erwartet abschnitten. Ob diese Entwicklung bereits beendet ist oder weiterhin besteht und Mattersburg nur eine Ausnahme war, wird sich erst weisen. Das breite Konfidenzintervall zeigt auf jeden Fall, dass für die Niederösterreicher einiges drinnen ist: Ein Rückfall ins hintere Mittelfeld ist genauso drinnen wie ein Angriff auf die Europacupplätze. Nur mit dem Abstieg sollte man die nächsten beiden Saisonen nichts zu tun haben.

Dahinter folgt Sturm, das wohl wie im letzten Jahr die Europacupplätze verpassen wird. Die Einschätzung des runderneuerten Kaders lässt die Punkteprognose im Vergleich zum Vorjahr um etwa sieben Punkte zurückgehen, was nur für das Tabellenmittelfeld reichen wird. Hinter den Grazern beginnt bereits die Abstiegszone, in der sich fünf Teams innerhalb eines Bereichs von circa zwei Punkten tummeln. Die Reihenfolge innerhalb der Plätze sechs bis zehn ist also höchst unsicher, schon kurze Stärke- oder Schwächephasen können massive Auswirkungen auf das Endergebnis haben. Die Liga verspricht einen Abstiegskampf auf Messers Schneide.


Samstag, 27. Februar 2016

Was Heimo Pfeifenberger beim WAC verbesserte

Das Problem Didi Kühbauers als Trainer des WAC in den Spielen letzten Herbst war, dass sich sein Team zwar recht gute Einschussmöglichkeiten erspielte, insgesamt jedoch nur unterdurchschnittlich viele davon nützte. Für elf Tore benötigte man 202 Schüsse, was einem Verwandlungsanteil von lediglich knapp über 5% entspricht. Das ist nur halb so hoch wie bei einem durchschnittlichen Bundesligateam, der Erwartungswert bei so vielen Schüssen liegt dementsprechend bei über 22 Toren. Unter Pfeifenberger stieg der Anteil der verwandelten Schüsse auf gut 8%, was immer noch niedriger als im Schnitt ist, aber schon in Richtung des Normalwerts geht. Dieses Phänomen ist als Regression zum Mittelwert bekannt und kein Verdienst des neuen Trainers, sondern tritt bei steigender Datenmenge im Normalfall automatisch auf.

Allerdings gibt es auch das gegenteilige Phänomen. Unter Kühbauer erhielt der WAC 22 Gegentore aus 200 Schüssen, also so viele, wie er auch hätte erzielen sollen. Unter Pfeifenberger hat das Team in sieben Spielen 92 Schüsse zugelassen, jedoch nur fünf Tore bekommen (~5%, und drei davon ironischerweise im Auswärtsspiel bei Rapid, als man als Auswärtsteam die klar besseren Tormöglichkeiten hatte). In dieser Hinsicht ist der Wert unter Pfeifenberger offensichtlich noch von der niedrigen Fallzahl verzerrt, es ist also zu erwarten, dass er den Gegentorschnitt nicht halten wird. Jedoch ist wie dargelegt auch noch mit steigenden erzielten Toren zu rechnen, was sich im Abstiegskampf als Vorteil erwiesen könnte.
 
Team
Eigene Schüsse verwandelt
(in Prozent)
Gegnerische Schüsse verwandelt
(in Prozent)
Admira
11,07
11,26
Altach
11,97
10,15
Austria
11,35
12,88
Grödig
10,77
10,36
Mattersburg
13,15
11,56
Rapid
16,33
9,66
Ried
8,47
11,29
Salzburg
12,03
11,52
Sturm
7,91
10,98
Wolfsberg
6,49
9,25
Die Tabelle zeigt an, wie viele Schüsse jedes Team der Bundesliga prozentuell bisher verwandelt hat sowie wie viele davon gegen jedes Team verwandelt wurden. Wie wir sehen, steht der WAC in beiden Wertungen ganz unten (nicht nur aufgrund der alphabetischen Reihung). Er verwandelte sowohl die wenigsten Schüsse in Tore, erlitt aber auch prozentuell nur am wenigsten Tore aus den zugelassenen Schüssen. Wie bereits erklärt, ist in Zukunft also mit einem Anstieg sowohl der Tore als auch der Gegentore in Relation zu den Schüssen zu rechnen.

Es gibt allerdings einen Aspekt, in dem sich der WAC unter dem neuen Trainer tatsächlich verbessern konnte. Zuerst vergleichen wir jedoch die nackten Schussstatistiken unter den beiden Trainern mittels des Boxplots in Graphik 1. Sie zeigen an, wie viele Schüsse in den Spielen der bisherigen Saison unter den beiden Trainern jeweils abgegeben beziehungsweise zugelassen wurden. Die schwarzen horizontalen Striche in den blauen Boxen geben die Medianwerte an, die weißen Kreise die Mittelwerte. 

Graphik 1
Wie wir sehen, sind bei den Schüssen insgesamt die Werte unter Pfeifenberger nach oben geschnellt; es wurden sowohl mehr Schüsse abgegeben (2,5 pro Spiel) als auch zugelassen (0,5). Die Veränderungen sind im Offensivspiel also eklatanter und erklärt im Zusammenhang mit der oben angesprochenen etwas verbesserten Verwertung der Schüsse den fast doppelt so hohen Torschnitt unter Pfeifenberger. Dass sich auch der Gegentorschnitt massiv verbesserte, ist hingegen beinahe ausschließlich auf die nach unten gerasselte gegnerische Chancenauswertung zu schieben, also keine nachhaltige Verbesserung.

Worin sich die Mannschaft in den sieben Spielen jedoch entschieden verbessern konnte, sind die Schüsse aus der sogenannten Gefahrenzone (Danger Zone). Diese besteht aus dem Torraum sowie dem Bereich des Strafraums, der durch die gedachte Verlängerung der kurzen Seiten des Torraums bis zur Strafraumlinie und diese selbst begrenzt wird (siehe diese Visualisierung). Schüsse aus dieser Zone haben eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit, ins Tor zu gehen (Anmerkung: Elfmeter werden ausgenommen und separat behandelt). Während von allen Schüssen in etwa elf Prozent im Tor landen, sind es bei Schüssen aus der Gefahrenzone bei allen Teams in der bisherigen Saison knapp 21%, also fast doppelt so viele. In diese Zone zu kommen und dort Abschlüsse zu verbuchen beziehungsweise den Gegner davon abzuhalten ist also von immenser Bedeutung.

Graphik 2
Graphik 2 repliziert die erste Graphik, berücksichtigt allerdings nur diese Schüsse aus der Gefahrenzone. Wie wir sehen, hat der WAC unter Pfeifenberger im Schnitt sowohl mehr Schüsse in dieser Zone abgegeben als auch weniger zugelassen als unter seinem Vorgänger. Man gibt pro Spiel etwa 1,8 dieser Schüsse ab und lässt circa 1,1 weniger zu. Wenn man die Erfolgswahrscheinlichkeit dieser Schüsse berücksichtigt, sind das in der bisher kurzen Amtszeit Pfeifenbergers fast drei erwartete Tore mehr (+2,6) und fast zwei erwartete Gegentore weniger (-1,66). In diesem Zusammenhang kann man also von einer tatsächlichen Verbesserung sprechen.

Natürlich ist die Fallzahl noch relativ gering, da der WAC erst sieben Spiele unter Pfeifenberger absolvierte. Deshalb sollte man Durchschnittswerte nicht überinterpretieren, und die Unterschiede sind weder im Fall der insgesamt abgefeuerten Schüsse noch in jenem der Schüsse aus der Gefahrenzone ausreichend statistisch signifikant. Allerdings spielte der WAC in diesen sieben Spielen bereits gegen die vier stärksten Teams der Liga (zweimal davon auswärts) und konnte in diesen auch immerhin fünf Punkte holen. Die Verbesserung resultiert also sicherlich nicht nur aus der Tatsache, dass man es mit schwächerer Konkurrenz zu tun gehabt hätte.

Die Veränderung drückt sich auch in relationalen Zahlen aus. Die Total Shot Ratio, also die Metrik, die die eigenen abgegebenen Schüsse in Relation zur Summe der abgegebenen und zugelassenen Schüsse setzt, war bereits unter Kühbauer besser als bei einem Abstiegskandidaten (0,50) und verbesserte sich marginal unter Pfeifenberger (0,54). Die Danger Zone Shot Ratio, die also gleich funktioniert, jedoch nur Schüsse aus der Gefahrenzone berücksichtigt, ist jedoch nach oben geschnellt und beträgt unter Pfeifenberger 0,66 (im Vergleich zu 0,51 unter Kühbauer, der Unterschied ist zudem statistisch signifikant auf dem 95%-Level). Unter Kühbauer machten diese besonders aussichtsreichen Schussmöglichkeiten knapp 37% aller insgesamt abgegebenen Schüsse aus; unter Pfeifenberger stieg der Wert noch einmal auf über 42% an.

Ob das anhält, ist jedoch zweifelhaft; der Wert ist bereits zu gut, um wahr zu sein. Wie Graphik 3 anzeigt, wäre der WAC mit einer DZSR  von 0,66 das beste Team der gesamten Liga. Wahrscheinlich wird also diese Kennzahl in den nächsten Spielen wieder etwas zurückgehen, allerdings war der WAC bereits unter Kühbauer in der besseren Tabellenhälfte dieser Wertung. Man kann also davon ausgehen, dass die Mannschaft insgesamt zu gut für den Abstieg ist.

Graphik 3

Dienstag, 23. Februar 2016

Macht es überhaupt einen Unterschied?

Vor einigen Wochen schrieb ich an dieser Stelle einen Beitrag, in dem ich versuchte aufzuzeigen, wie die in den letzten fünf Jahren in der österreichischen Bundesliga angestellten Trainer punktemäßig im Vergleich zu einem prognostizierten Erwartungswert abschnitten. Dieser Erwartungswert basierte auf dem durchschnittlichen Marktwert der zur Verfügung stehenden Spieler, der, wie ich gezeigt habe, ein sehr starker Prädikator für sportliches Abschneiden ist. Allerdings determiniert er die Punkteausbeute nicht, es ist also Spielraum für Trainer, etwas zum Guten oder zum Schlechten zu wenden. Wir sahen, dass das durchaus geschieht. Die Teams einiger Trainer holten pro Spiel signifikant mehr Punkte als erwartet, während andere kontinuierlich schlechtere Ergebnisse als erwartet holten. Der Großteil der Trainer ist allerdings im Mittelfeld, hat also keinen relevanten Einfluss auf die Punkteausbeute ihrer Teams.

Am Wochenende erschien bei den Kollegen von Ballverliebt ein hochinteressanter und sehr datenreicher Artikel zur Frage, ob sich einige Merkmale der angestellten Trainer (Spielerkarriere, absolvierte Länderspiele,  in Österreich in den letzten zwanzig Jahren verändert haben. Grundessenz des Artikels ist in Bezug auf die heimische Bundesliga ist, dass weiterhin vor allem ehemalige Profis und Nationalspieler als Trainer eingestellt werden, während Leute ohne nennenswerte Spielerkarriere es damals wie heute schwer haben. 

Die Frage, die ich in den folgenden Zeilen klären möchte, ist ob sich diese beiden Beobachtungen verbinden lassen. Ist es gerechtfertigt, einen Trainer mit Spielerkarriere bei der Auswahl vorzuziehen? Hilft eine lange, erfolgreiche Spielerkarriere für die Zeit danach? Konkret gefragt: Hat die Anzahl absolvierter Spiele einen Einfluss auf auf das Abschneiden als Trainer?

Dafür greife ich auf denselben Datensatz wie für den oben verlinkten Text zurück. Der Erfolg als Trainer wird also durch die Anzahl der Punkte, die jeder der Übungsleiter mit Verantwortung in mehr als fünf Pflichtspielen seit 2010 (42 an der Zahl) pro Spiel mehr holte als man von den von ihm betreuten Mannschaften erwarten konnte. Für die Spielerkarriere zähle ich sowohl die absolvierten Ligaspiele als auch Länderspiele, Daten kommen dafür hauptsächliche aus den jeweiligen Wikipediaeinträgen, die in der Regel ergiebiger sind als die sonst gerne verwendeten Datenbanken wie Weltfussball oder Transfermarkt. Diese werden jedoch zur Vervollständigung herangezogen, wenn kein Wikipediaartikel vorhanden ist.

Zuerst ein wenig deskriptive Datenanalyse: Im Durchschnitt absolvierten die 42 Trainer 331 Ligaspiele (der Median liegt bei 369). Lediglich vier davon absolvierten gar keine (Gludovatz, Hyballa, Kraft und Zeidler), acht kommen auf mehr als 500 davon. Bei den Länderspielen ist die Datenlage weit verzerrter. Der Mittelwert liegt bei 18, der Median allerdings nur bei 1,5. 20 der 42 Trainer absolvierten null Länderspiele, nur 15 kommen auf einen Wert über dem Durchschnitt. Graphik 1 zeigt mittels Punktdiagramm die absolvierten Länder- und Ligaspiele. Beide Werte korrelieren statistisch signifikant auf mäig hohem Niveau miteinander, was nicht besonders überrascht; wer überhaupt nicht professionell Fußball spielt, wird auch keine Nationalteameinsätze bekommen.

Graphik 1

Nun aber zu der Frage, ob diese Daten für den Erfolg einer Trainerkarriere überhaupt von Bedeutung sind. Zuerst analysiere ich die Ligaspiele und deren Einfluss auf den Erfolg als Trainer. In Graphik 2 plotte ich die absolvierten Ligaspiele auf der x-Achse und die über dem Erwartungswert geholten Punkte auf der y-Achse. Die dickere, gestrichelte Linie zeigt die Grenze an: Wer darüber liegt, holte mehr Punkte als erwartet; darunter liegen dementsprechend die Trainer, die eine schwächere Punkteausbeute als möglich gewesen wäre aufweisen. Dies trifft wie man sieht auf die meisten zu; nur zwölf der 42 weisen einen positiven Saldo auf.

Diejenigen, die über dieser Linie liegen, haben jedoch höchst unterschiedliche Spielerkarrieren hinter sich. Interessanterweise finden sich die beiden erfolgreichsten Trainer (Stöger und Gludovatz) an den jeweiligen Extremen der möglichen Spielerkarriere; Stöger hat über 500 Spiele in den Beinen, Gludovatz kein einziges. Von denen unter der gestrichelten Linie scheinen die meisten tendenziell eher mehr als weniger Spiele absolviert haben.

Graphik2

Die durchgehende Linie stellt die Regressionsgerade dar, also jene, die am wenigsten weit von allen Punkten entfernt ist. Sie sinkt leicht nach unten, was darauf hinweist, dass Trainer im Schnitt sogar schwächer abschneiden, je mehr Ligaspiele sie absolviert haben. Allerdings ist dieser Zusammenhang schwach ausgeprägt und statistisch nicht signifikant. Tatsächlich ist es also egal, wie viele Spiele ein Trainer als Spieler absolviert hat; es gibt keinen Zusammenhang mit seinem punktemäßigen Abschneiden als Chefcoach.

Aufgrund der schiefen Verteilung rechne ich bei den Länderspielen keinen linearen Zusammenhang, sondern beschränke mich auf ein Boxplot. Dafür teile ich die Trainer in zwei Gruppen (mindestens ein Länderspiel absolviert ja oder nein) ein und stelle für diese beiden die Streuung der geholten Punkte über dem Erwartungswert dar (Graphik 3).

Graphik 3

Wiederum zeigt sich, dass die Trainer ohne Spielerkarriere sogar leicht besser abschneiden. Die Trainer, die Länderspiele absolvierten, kommen im Schnitt auf etwa 0,13 Punkte pro Spiel weniger als erwartet. Bei denen, die nie zu Teamehren kamen, liegt die Ausbeute bei 0,11 Punkten pro Spiel unter dem Erwartungswert - ein winziger und statistisch nicht signifikanter Unterschied. Der Median liegt bei denen ohne absolvierte Länderspiele bei 0, sie holten also, was man erwarten konnte. Bei denen mit Länderspielen liegt er wiederum darunter. In beiden Gruppen gibt es zudem zwei Ausreißer nach unten (dargestellt durch die einzelnen Punkte). Der Punkt rechts oben stellt wieder Peter Stöger dar.

Zusammenfassend kann also eindeutig gesagt werden, dass die Spielerkarriere für den Erfolg in der Karriere danach keine Rolle spielt. Das gilt sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Man kann ein guter Spieler gewesen sein und ein guter Trainer (Typ Guardiola), man kann das aber auch ohne Spielerkarriere erreichen (Typ Mourinho). Selbstverständlich kann man auch mit oder ohne Spielerkarriere ein schlechter Trainer sein, aber die bleiben meist auf der Strecke, wie das Beispiel der missglückten Amtszeit von Peter Zeidler bei RB Salzburg zeigt.

Natürlich ist diese kurze Analyse nicht erschöpfend. Sie behandelt "nur" 42 Trainer in der österreichischen Bundesliga, die zudem nur sechs Spiele tätig gewesen sein mussten, um in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Mit mehr Spielen und mehr Trainern wären die Ergebnisse wahrscheinlich aussagekräftiger, aber das ist eben alles was ich habe. Zudem behandle ich nur einen Aspekt des Trainerberufs, nämlich sportlichen Erfolg in der Meisterschaft. Als Erfolg kann man natürlich auch einen attraktiven Spielstil, Cup-Titel oder den Einbau von Jugendspielern in die erste Mannschaft definieren. Mit derartigen Operationalisierungen sähen die Ergebnisse vielleicht auch anders aus.

Ein weit wichtigerer Einwand gegen die Ergebnisse ist jedoch, dass Trainer ohne Spielerkarriere darin sogar noch zu schlecht abschneiden. Das liegt an einem möglichen survival bias. Da Trainer in der Bundesliga bevorzugt angestellt werden, wenn sie eine halbwegs ordentliche Spielerkarriere im CV stehen haben, bekommen viele geeignete Kandidaten ohne Spielerkarriere gar keine Chance, ihre Fähigkeiten einzubringen, oder werden vorschnell wieder entlassen (wie Peter Hyballa). Zudem ist zu erwarten, dass in unteren Spielklassen ähnliche Mechanismen am Werk sind, sie also erst gar keine Chance haben, sich nach oben zu arbeiten. Sie sind also im Sample möglicherweise unterrepräsentiert. Was die Ergebnisse jedoch jedenfalls andeuten, ist, dass die Spielerkarriere eines Trainerkandidaten bei seiner Auswahl keine Rolle spielen sollte.

Dienstag, 12. Januar 2016

Wie schneiden die Trainer ab?

Vor einigen Tagen untersuchte ich im ersten Teil eines Schwerpunkts zum Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Möglichkeiten und sportlichem Erfolg in der österreichischen Bundesliga (der zweite Teil folgt in den kommenden Tagen), inwieweit der Marktwert eines Teams seine Punkteausbeute am Saisonende prognostizieren kann. Der Marktwert wird dabei als Indikator für die Qualität der zur Verfügung stehenden Spieler und damit auch des zur Verfügung stehenden Budgets angesehen; Vereine mit mehr Geld können sich bessere Spieler leisten und sie länger bei sich halten, was sich in einem höheren Durchschnittsmarktwert niederschlägt. Dies wiederum führt zu besseren Leistungen auf dem Feld und besseren Ergebnissen im Endklassement. 

Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang recht stark und statistisch signifikant ist und sich durchaus mit Ergebnissen aus Untersuchungen über andere Ligen und Ländern deckt. Etwas mehr als die Hälfte der Varianz in der Punkteanzahl der Teams am Ende der Saison von 2010 bis 2015 kann mittels des Durchschnittsmarktwerts erklärt werden. Das lässt allerdings auch Raum für zusätzliche Erklärungen. Die Resultate eines Teams können unter Umständen auch von Glück oder Pech, Verletzungen, Doppel- oder Dreifachbelastungen oder Schiedsrichterentscheidungen beeinflusst werden, und einige dieser Faktoren werde ich auch in zukünftigen Beiträgen untersuchen, solange sie sich quantifizieren lassen. In diesem Beitrag hingegen soll es um die Rolle der Cheftrainer gehen.

Um deren Einfluss auf die Punkteanzahl zu eruieren, nehme ich die Amtszeit aller jener, die zwischen Saisonbeginn 2010 und Winterpause 2015/16 als Cheftrainer (vorerst inklusive Interimstrainer) tätig waren. Dadurch ergibt sich ein Sample von 51 Personen. Deren jeweilige Amtszeiten pro Klubs unterteile ich noch einmal in die unterschiedlichen Saisonen, da pro Saison meist ein etwas anderer Kader mit unterschiedlichen Marktwerten zur Verfügung stand. Damit vergrößert sich das Sample auf 90 Untersuchungseinheiten. Von diesen wiederum exkludiere ich Kurzzeit- und Interimstrainer, die weniger als fünf Spiele als Cheftrainer verantwortlich waren, für die meisten Berechnungen. Das endgültige Sample umfasst daher 83 Untersuchungseinheiten. In einem späteren Schritt werden die Ergebnisse der einzelnen Saisonen (und bei Coaches die in mehr als einem Verein tätig waren auch diese) wiederum addiert, um für jeden Cheftrainer einen einzelnen Wert zu errechnen (siehe unten Graphik 2).

Zuerst sehen wir uns, wie sich die Untersuchungseinheiten in Bezug auf prognostizierte und tatsächliche Werte verhalten. Wie Graphik 1 zeigt, ist dieser Zusammenhang ähnlich stark ausgeprägt wie bei den Vereinen. Das Bestimmheitsmaß liegt etwas niedriger (0,46 gegenüber 0,53), was angesichts der höheren Fallzahl vielleicht etwas überraschen mag. Allerdings muss dazu angemerkt werden, dass trotz des Ausschlusses der Kurzzeittrainer mit weniger als fünf Spielen dennoch noch eine Reihe von Trainern mit vergleichsweise kurzen Saisonamtszeiten im Sample vertreten sind. Vier davon dauerten genau fünf Spiele, eine sechs, drei sieben, zwei acht und wiederum drei neun Spiele lang. In diesen kurzen Zeiträumen kann ein Trainer wahrscheinlich noch nicht allzu viel ausrichten, selbst wenn er ein sehr guter ist. Andererseits können schlechte wohl auch nicht besonders verschlimmern. Tatsächlich finden sich in diesem Subsample der Trainer mit zwischen fünf und neun Spielen sowohl über- als auch unterdurchschnittlich gut abschneidende, wobei diejenigen, die weniger Punkte als erwartet holen, doch etwas stärker vertreten sind. Durchschnittlich holten diese 13 Trainer im Schnitt 0,23 Punkte pro Spiel weniger als erwartet. Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese meist entweder bereits zu unter den Erwartungen spielende Mannschaften kamen und die Abwärtsspirale nicht mehr aufhalten konnten, oder sie waren punktemäßig wirklich schlecht und wurden nach einigen Runden entlassen (Kolvidsson, Grubor).

 Graphik 1

Wenn diese Trainer aus dem Sample entfernt werden, steigt die Korrelation bei den verbleibenden tatsächlich auf das gleiche Maß wie bei den Teams auf die gesamte Saison gerechnet. Kurzzeittrainer haben also kaum eine Möglichkeit, auf die Resultate ihres Teams einen positiven Einfluss zu nehmen. Das Limit, das man einem Trainer geben sollte, scheinen also in etwa zehn Spiele oder ein Saisonviertel zu sein. Dennoch erscheint es mir nicht sinnvoll, diese gänzlich aus den Untersuchungen auszuschließen; auch wenn man die Resultate erst nach einigen Wochen beurteilen sollte, kann die geleistete Arbeit auf lange Sicht durchaus aufschlussreich sein. Ricardo Moniz konnte beispielsweise nach seiner kurzen Amtszeit am Ende der Saison 2010/11 in der folgenden Spielzeit den (wenn auch schmeichelhaften, weil punkteschwachen) Meistertitel holen. Auch Zoran Barisic konnte offensichtlich die verbleibenden Spiele der Saison 2012/13 sinnvoll nützen, um den Grundstein für zwei überdurchschnittlich gute Folgejahre zu legen.

Die Punkte in Graphik 1 sind farblich unterschiedlich eingefärbt, je nach Verein, bei dem der jeweilige Trainer angestellt war. Dies soll eine erste Annäherung an die Frage ermöglichen, ob bestimmte Vereine eine besonders gute Nase bei der Trainerauswahl haben und kontinuierlich Overperformer anstellen. Die rein graphische Darstellung legt jedoch keine deutlichen Schlüsse nahe; von allen Verein finden sich Punkte sowohl über (gut) als auch unter (schlecht) der Regressionsgeraden. Auffällig ist allenfalls der braune Punkt zentral ganz oben im Diagramm, der die Meistersaison der Wiener Austria unter Peter Stöger repräsentiert; diese Saison war diejenige im Untersuchungszeitraum, in der die Erwartungen am meisten übererfüllt wurden (27 Punkte über dem Erwartungswert).

Im folgenden Schritt addiere ich für alle Trainer im Sample (wiederum mit mindestens fünf Spielen) die Punkte, die sie mehr geholt haben als erwartet werden konnte (das kann dementsprechend auch ein negativer Wert sein), und dividiere sie durch die Anzahl der Spiele, in denen sie als Cheftrainer verantwortlich waren. Die Ergebnisse dieses Schritts sind in Graphik 2 dargestellt und einigermaßen überraschend.

Graphik 2

An der Spitze des Rankings steht nämlich ein Coach, den dort wohl niemand erwartet hätte. Schließlich ist Ernst Baumeister im Sommer nur aus besonderen Umständen Coach der Admira geworden und war davor bereits in den Niederungen des Amateurfußballs verschwunden. Ein Teil seines guten Werts ist sicher darauf zurückzuführen, dass der diesjährige Höhenflug der Admira auf tönernen Füßen steht und wahrscheinlich nicht bis zum Saisonende andauern wird. Außerdem beruhen die Daten auf "nur" 20 Spielen und sind damit weniger aussagekräftig als die der Trainer, die im Ranking unmittelbar hinter ihm liegen.

Der wichtigste Grund dafür dürfte aber ein anderer sein. Ich habe für dieses Ranking das rechtliche Prinzip herangezogen und seine Amtszeit, genauso wie die von Walter Knaller, als eigenständige Amtszeiten gerechnet. Organisationssoziologisch korrekter wäre es wohl, sie mit jenen von Oliver Lederer zusammenzurechnen, der pro forma Assistenztrainer ist, tatsächlich aber wohl der entscheidende Akteur ist. Interessanterweise sind alle drei im positiven Bereich, konnten insgesamt also mehr Punkte holen als erwartet. Wenn man alle Spieler mit Lederer als Co-Trainer zusammenrechnet, liegt der Wert insgesamt 0,15 Punkte pro Spiel über dem Erwartungswert. In 89 Spielen macht das insgesamt 13 Punkte mehr. Über eine gesamte Saison gerechnet sind das fünf Punkte mehr als erwartet, was in Abstiegskämpfen durchaus ein nicht zu vernachlässigender Wert ist. Oliver Lederer scheint also tatsächlich ein großes Trainertalent zu sein und die Admira tut gut daran, ihn möglichst lange bei sich einzubinden.

Hinter Baumeister liegen im Ranking einige Trainer, die man dort eher erwartet hätte. Peter Stöger konnte nach zwei erfolgreichen Saisonen in Österreich seine Karriere in einer stärkeren Liga fortsetzen. Ihm folgt Paul Gludovatz, der seit Jahren bei der SV Ried äußerst erfolgreich arbeitet (und interessanterweise nie als Trainer zu einem größeren Klub wollte oder durfte). Auch sein langjähriger Co-Trainer Schweitzer belegt mit seinen Amtszeiten als Cheftrainer einen der vordersten Plätze. Es ist auch kein Zufall, dass die dahinter folgenden Trainer Foda, Fink, Schmidt und Barisic bei den großen Klubs der Liga angestellt waren. Dahinter folgt mit Damir Canadi der taktisch wahrscheinlich flexibelste derzeitige Bundesligacoach. Deutlich im Plus ist vielleicht auch etwas überraschend Peter Schöttel, der vor allem bei Rapid keine besonders guten Erinnerungen hinterließ, aber in jeder einzelnen Saison mehr Punkte holte als erwartet. Aufgrund der Tatsache, dass keiner der besten Trainer dieser Wertung derzeit arbeitslos ist, kann man schließen, dass der Trainermarkt in Österreich einigermaßen effizient funktioniert (mit Ausnahme von Peter Hyballa, aber das hatte wohl andere Gründe).

Dasselbe gilt sinngemäß für die Trainer am anderen Ende der Wertung. Keiner der Trainer, die 0,25 oder mehr Punkte pro Spiel unter dem Erwartungswert liegen, ist derzeit in Amt und Würden. Diejenigen unter ihnen, die nur interimistisch tätig waren (Schopp, Ogris) wurden wohl zu Recht nicht langfristig beschäftigt. Die Amtszeiten aller anderen dauerten hingegen selbst nie länger als eine Saison. Auch wenn es bei ihnen nicht immer nur eigenes Unvermögen war, haben Vereine doch gemerkt, dass sie zumindest auch nicht überdurchschnittlich sind und haben dementsprechend oft schnell reagiert. Warum sie diese Coaches überhaupt eingesetzt haben, ist hingegen eine andere Frage.

Insgesamt zeigt sich, dass es mehr schlechter abschneidende Coaches als bessere gibt. Der Medianwert der 45 Coaches beträgt -0,03, das heißt, dass mehr als die Hälfte der Trainer weniger Punkte pro Spiel holte als erwartet. Wenn wir als (willkürliche) Grenze festlegen, dass ein sehr guter Coach mindestens 0,2 Punkte pro Spiel mehr holt als erwartet, bleiben abzüglich Baumeister nur fünf Trainer übrig (also 11%). Von Trainern mit mehr als 20 absolvierten Spielen erreichen nur 8 mehr als 0,06 Punkte über dem Erwartungswert, liegen also außerhalb des Standardfehlers der Punkteerwartung, also knapp 18% (insgesamt waren 31 Trainer für mindestens 20 Spiele im Amt, das wären also 26%. Da die weniger als 20 Spiele bestritten haben jedoch auch tendenziell die schwächeren Trainer sind, kann man durchaus alle 45 mitrechnen). Dazu muss gesagt werden, dass 0,06 Punkte pro Spiel auf die gesamte Saison gerechnet lediglich zwei Punkte sind, also der Unterschied zwischen einem Sieg und einem Remis. Dieser Wert deckt sich in etwa mit den Berechnungen des Ökonomen Stefan Szymanski, der davon ausgeht, dass maximal 20% der Profitrainer einen statistisch signifikanten positiven Einfluss auf die Ergebnisse ihrer Mannschaften haben. Natürlich kann ein Trainer einmal ein gutes Halbjahr oder sogar eine gute komplette Saison haben, aber über einen längeren Zeitraum sind die meisten eben durchschnittlich.

Es ist für Klubs in der obersten Liga also schwierig, Trainer zu finden, die kontinuierlich bessere Ergebnisse einfahren und bereits Erfahrung in der Liga gesammelt haben. Dazu kommt, dass diejenigen, auf die das zutrifft, bereits vergeben sind und zudem auch ins Ausland gehen (Stöger, Schmidt). Wenn ein Trainer danach auch noch in punkto Spielphilosophie und Transferpolitik zum Klub passen soll, wird es vor allem für kleinere Vereine beinahe unmöglich, einen Trainer mit Bundesligaerfahrung zu bekommen. Klubs müssen dementsprechend ihr Blickfeld erweitern und entweder in niedrigere Spiellassen schauen (wo sich beispielsweise Damir Canadi hervorragend schlug, bis er eine Chance weiter oben bekam) oder in ausländische Ligen, die niedriger einzuschätzen sind als die österreichische und deren Personal deshalb bereit ist, hierher zu kommen (zum Beispiel Thorsten Fink, wobei der natürlich auch schon weiter oben gearbeitet hat).

Graphik 3

Dass der Trainermarkt einigermaßen effizient funktioniert, gute Trainer also lange im Amt sind und weniger gute dementsprechend weniger, zeigt auch Graphik 3. Tendenziell stehen Trainer an der Seitenlinie, solange sie mehr Punkte holen als erwartet. Natürlich gibt es auch einige unterhalb der Regressionsgeraden, aber das ist logisch (sonst wäre es keine Regressionsgerade). Aber wirklich verstörend wäre es nur, wenn Coaches in diesem Diagramm weit rechts und weit unten aufschienen. Das jedoch ist nicht der Fall. Von den Trainern mit mehr als 55 Spielen (der natürliche Logarithmus davon ist 4, also in der Graphik Bjelica, Canadi und Knaller sowie alle rechts davon) holte keiner weniger als 0,25 Punkte pro Spiel unter dem Erwartungswert. Die meisten von ihnen holen in etwa so viele Punkte wie man erwarten kann. Von denen, die mehr Punkte als erwartet holten und die weniger Spiele im Amt waren, sind die meisten entweder Interimstrainer, der bereits erwähnte Sonderfall Lederer/Baumeister oder Thorsten Fink, der aus logischen Gründen noch keine lange Amtszeit haben kann, allerdings wahrscheinlich eine haben wird. Vereine sind bei der Trainerauswahl also weitgehend rational, wenn man Punkteausbeute als Indikator für die eigenen Ziele herannimmt.

Damit kommen wir zu Unterschieden zwischen den Verein, was die Trainerausbeute betrifft. Graphik 4 vergleicht die Vereine, die in den letzten fünf Saisonen in der Bundesliga vertreten waren, und zeigt, wie viele Punkte die Trainer in diesem Vereine mehr oder weniger geholt haben als man erwarten konnte. Die schwarzen Querlinien in den Boxplots weisen auf die Medianwerte hin, die blauen Punkte auf die Durchschnittswerte. Unterschiede zwischen Median und Durchschnitt weisen auf ungleiche Verteilungen hin, was jedoch bei niedrigen Fallzahlen kein Wunder ist. Geordnet sind die Klubs der Größe nach dem Mittelwert.

Graphik 4

Es zeigt sich, dass einige Vereine durchaus regelmäßig bei der Trainerauswahl richtig liegen. An der Spitze liegt der SCR Altach, der wie schon gezeigt der effizienteste Klub der letzten Spielzeiten in der Liga ist und daher wenig überraschend auch diese Wertung anführt, auch weil er bisher nur einen einzigen Trainer im Untersuchungszeitraum hatte. Sollte Canadi einmal einen wohlverdienten Vertrag bei einem höheren Verein unterschreiben, wird es spannend zu beobachten, ob Altach da ein einmaliger Glücksgriff gelungen ist oder ob mehr dahintersteckt. Das kann man beispielsweise mit einiger Sicherheit schon von der Admira behaupten, die zwar auch einige Ausreißer nach unten hatte, allerdings seit Jahren mit einer der nominell schwächsten Mannschaften in der Liga verbleibt und auch immer wieder gute junge Spieler durchbringt. Auch Rapid und Ried muss man positiv erwähnen, obwohl beiden einmal im Untersuchungszeitraum ein recht grober Schnitzer passiert ist (Pacult und Kolvidsson, repräsentiert durch einzelne Punkte weit unterhalb der Boxplots). Dahinter beginnt das Mittelfeld, Klubs deren Trainer in etwa so abschnitten, wie man annehmen konnte (das sind wie wir gesehen haben auch die meisten). Dieses Mittelfeld umfasst Grödig, Sturm, Wiener Neustadt und Salzburg (das generell in all diesen Wertungen vielleicht etwas zu schlecht wegkommt, da sie nur Meisterschaftsspiele berücksichtigen, Salzburg jedoch auch im Cup und international während der letzten fünf Jahre mehr erreichte als irgendein anderer Klub der Liga).

Mit der Wiener Austria beginnen die Nachzügler. Ihre Werte sind insgesamt schon recht weit unter der Nulllinie, allerdings gelang ihr auch die Saison mit dem besten Wert über den Erwartungen. Dass ihr Peter Stöger und seine Rekordsaison jedoch eher passiert ist als dass es so geplant war, zeigen die fünf Trainer in den zweieinhalb Jahren seit seinem Abgang.

Hinter der Wiener Austria wiederum liegen die Klubs, die eindeutig zu häufig falsch lagen bei ihren Trainerentscheidungen. Vier der fünf Teams sind in der Zwischenzeit abgestiegen, das fünfte ist in akuter Abstiegsgefahr. Dass das nicht immer nur die Schuld der Trainer sein wird, zeigt das Beispiel LASK, der lediglich eine einzige Saison im Untersuchungszeitraum in der obersten Liga spielte. In dieser Spielzeit verheizte er drei Trainer, die allesamt zwischen knapp einem halben und knapp einem ganzen Punkt unter den Erwartungen lagen. Wenn alle Trainer derartig daneben liegen, könnte es durchaus noch andere Gründe für die sportliche Misere geben.

 
Graphik 5

Der LASK ist dementsprechend auch der negative Höhepunkt der letzten Graphik dieses Beitrags. Zwar hat er sowohl viele Trainer verbraucht als auch wenige Punkte geholt, allerdings das noch dazu in einem besonders hohen Ausmaß. Bei keinem anderen Verein wurden die Trainer in den letzten Jahren so schnell verschlissen wie beim LASK im Abstiegsjahr, selbst beim Trainerfriedhof in Favoriten konnten sie sich im Schnitt doppelt so lange halten (was immer noch mehr im Schnitt mehr als einen Trainerwechsel pro Saison bedeutet).

Es zeigt sich jedenfalls, dass sich richtige Entscheidungen auf dem Trainersektor, die personelle Kontinuität auf dieser Position ermöglichen, generell auszahlen. Je länger die Trainer bei einem Verein im Amt sind, desto mehr Punkte holen sie auch über dem Erwartungswert (mit Ausnahme von Mattersburg, dort ticken die Uhren offensichtlich etwas anders). Altach beispielsweise zeigt, dass man beim Festhalten am Trainer, auch wenn es zeitweise wie heuer zu Saisonbeginn punktemäßig nicht besonders gut läuft, mindestens gleich gut fährt wie mit dem Prinzip Hire and Fire (was wiederum zumindest teilweise daran liegt, dass die meisten Trainer eben keine besonders gute Punkteausbeute haben). Auch Wiener Neustadt konnte sich mit Geduld und Kontinuität lange Zeit in der obersten Liga halten und damit viele besser eingeschätzte Konkurrenten, die eher der "Logik" des Fußballgeschäfts folgten, hinter sich lassen.

Natürlich ist das nicht notwendigerweise eine derart kausale Beziehung. Es ist auch gleich denkbar, dass die Trainer im Amt bleiben, weil sie Punkte holen, und nicht Punkte holen, weil sie im Amt sind. Mit den Daten, die ich zur Verfügung habe, kann ich die Richtung des Kausalpfeils nicht determinieren, vor allem, weil eben tatsächlich oder vermeintlich schlechte Trainer frühzeitig ausgesiebt werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Trainer durchaus eine Rolle spielen können beim Zusammenkommen der Ergebnisse der Teams, die sie betreuen. Allerdings trifft das längst nicht auf alle zu; die meisten von ihnen holen in etwa so viele Punkte, wie man von der betreuten Mannschaft auch erwarten kann (zumindest langfristig). Bei den meisten gleichen sich gute und schlechte Spielzeiten aus. Nur wenigen gelingt es, dauerhaft über den Erwartungen zu bleiben. Diese sind dann entweder langfristig beschäftigt, gehen ins Ausland oder sind zu alt (Gludovatz), um anderen Klubs, die auf Trainersuche sind, zu Hilfe zu kommen. Dies macht diese Trainersuche in einem kleinen Markt wie Österreich umso schwerer, vor allem kleine Klubs müssen dabei also innovative Strategien anwenden, um dauerhaft die Erwartungen zu übertreffen.